I/O Unit

Impulse über Leadership und Tech aus dem Alltag der Softwareentwicklung

Selbstorganisierte Gehaltsfindung

19.12.2019

Bei meinem früheren Arbeitgeber habe ich mich im Rahmen von Selbstorganisation und Holacracy intensiv mit meinen KollegenInnen mit den Themen Gehalt, Wirksamkeit und Beitrag zum Erfolg des Unternehmens beschäftigt. Dazu hatten mein damaliger Kollege Daniel und ich im September 2018 einen Vortrag auf der BedCon gehalten:

Für mich war bei diesem Themenkomplex am meisten der Gedanke motivierend Impulse in ein System zu geben, welches das gemeinsame Verständnis aller Beteiligter verbessert. In meiner eigenen Vergangenheit hatte ich - wie wahrscheinlich jeder Mensch im Laufe des eigenen Berufslebens - einige schlechte Erfahrungen in diesem Themenbereich gemacht.

Auf den Ideen und Impulsen aus unserem Vortrag aufbauend, habe ich nach einem tollen Vortrag von Udo Wiegärtner und Doris Dietz auf der Manage Agile 2018 über das Thema “Und Augenhöhe geht doch…” (Youtube Video) weitere Möglichkeiten gesehen. Die im Vortrag vorgestellte Idee basiert auf dem Konzept eines Business Model Canvas: erstelle ein Canvas für Mitarbeitergespräche, um diese zu verbessern. Diese Idee fand ich so inspirierend, dass ich einen ersten Entwurf für die Mitarbeitergespräche meines damaligen Arbeitgebers in einem selbstorganisierten System entwarf. Dies habe ich anschließend mit meinen KollegenInnen verfeinert und in die Firma gebracht. Die damit durchgeführten Mitarbeitergespräche hatten eine tolle einheitliche Struktur und waren eine großartige Unterstützung bei den eigentlichen Entwicklungs- und Performancegesprächen. Das Vorgehen half sowohl den “Führungskräften” (Anmerkung: das Konzept Führungskraft haben wir bei Europace im Rahmen der Selbstorganisation anders gestaltet) als auch den KollegenInnen dabei ein tiefes und gutes Verständnis des vorhergehenden Jahres zu erlangen.

reales Beispiel aus 2018

Was ist mit nicht holakratischen Unternehmen?

Auf den Erfahrungen aus den Mitarbeitergesprächen 2018/19 aufbauend und aufgrund der vielen Gespräche auf Konferenzen und Meetups habe ich das Canvas erneut abgewandelt und stelle es sehr gern als Alternative für nicht holakratisch organisierte Unternehmen zur Verfügung. Nachfolgend ein A0 Beispiel mit angedeutetem PostIts:

angepasstes Canvas mit Beispiel-PostIts

Ich empfehle es tatsächlich als A0-Poster drucken (PDF Download) zu lassen und mittels PostIts anschließend gemeinsam das vergangene Jahr zu reflektieren.

Ablauf

Der Schwerpunkt des Canvas ist ausgerichtet auf ein gutes gemeinsames Verständnis des vergangenen Jahres und damit einer tiefengehenden gemeinsamen Reflexion sowie dem Abgleich der Erwartungen. Diese Version des Canvas habe ich so gestaltet, dass oben links mit den negativen und positiven Ereignissen des letzen Jahres angefangen wird und man sich im Uhrzeigersinn durch die einzelnen Bereiche bewegt, bis man in der gemeinsamen Perspektive für das nächste Jahr endet.

Nach den Ereignissen, folgt der Wechsel zur eigenen persönlichen Entwicklung und der eigenen Erfahrungen. Anschließend ist Raum für die eigenen Stärken und gelebten Verantwortungen. Den Bereich Potentiale habe ich absichtlich ausgelassen, da diese für eine gemeinsame Gehaltsdiskussion eine zusätzliche Komplexitätsebene einbringen können, was das Gesamtthema zusätzlich erschwert. Die für die Wirksamkeit relevanten Aspekte tauchen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ohnehin in den Erwartungen bzw. in dem Bereich Zusammenarbeit auf. Meiner Erfahrung nach ist es enorm wertvoll vor der gemeinsamen Erstellung des Canvas persönlich Feedback einzuholen, um das eigene Selbstbild mit dem Fremdbild abzugleichen.

Im Bereich “Meine Motivatoren” ist man eingeladen mit Hilfe der Moving Motivators über die wichtigsten Aspekte der eigenen Motivation zu reflektieren. Die Bereiche “Zusammenarbeit mit meinem Team” und “Zusammenarbeit mit meiner Organisation” sind für alle Facetten der Kollaboration im Alltag und darüber hinaus gedacht. Die Aufteilung auf “Team” und “großes Ganzes” kann dabei unterstützen bestimmte Perspektiven auf den eigenen Arbeitsaltag einzunehmen (z.B. hervorragende Kollaboration im eigenen Team, allerdings kaum Aspekte in der Betrachtung der Organisation).

Bis hierhin ist die Perspektive des Canvas eher in die Vergangenheit gerichtet oder berührt vielleicht punktuell den Zeitraum bis zum aktuellen Tag. Dies ändert sich mit den folgenden Bereichen “Impulse meines Umfeldes”, “Erwartungen der Organistion an mich” und “meine Erwartungen an mich”. Dort schaut man auch in die Zukunft und gleicht den Blick gemeinsam ab. Bei dem Bereich der Erwartungen ist meine Erfahrung, dass man im Termin des Canvas hier nicht zu einer gemeinsamen Übereinkunft kommen muss. Es kann auch ausreichend sein, einfach die Erwartungen auszutauschen und eine Vereinbarung nachgelagert zu diskutieren.

Der Weg durch das Canvas endet mit den konkreten Gedanken über das nächste Jahr mit den Perspektiven “Was will ich weitergeben?", “Was nehme ich mir für das nächste Jahr vor?” und “Was will ich lernen/was brauche ich?". Dabei war mein Leitgedanke immer, nicht das folgende Jahr in Form von Jahreszielen zu planen, sondern eher leichtgewichtig über das zu reden was bereits jetzt erkennbar ist und was sich ggf. aus den Erwartungen zu diesem Zeitpunkt besprechbar ist.

Den endgültigen Abschluss macht das Canvas mit dem gemeinsamen Finden des Gehaltswunsches und eines offenen Austausches über die dahinter liegenden Bedürfnisse. In meiner Vergangenheit wurden die eigentlichen Angebote anschließend über Methoden gefunden, die den Rahmen dieses Posts sprengen würden und von denen einige Facetten bereits in dem Vortrag von Daniel und mir auftauchen.

Meinung, Informationsbeitrag und Einwand bei Meetings in der Selbstorganisation

07.11.2018
Disclaimer: Dieser Artikel wurde von mir parallel im Blog der Europace AG gepostet. Meinung, Informationsbeitrag und Einwand bei Meetings in der Selbstorganisation Meetings. Ob im Rahmen von Selbstorganisation oder im normalen Arbeitsalltag, entlang holakratischer oder soziokratischer Prozesse - in jedem Meeting begegnen sich Menschen die etwas gemeinsam haben. Es soll ein Problem diskutiert werden, eine Lösung ausgearbeitet oder eine Entscheidung getroffen werden. Der eigentliche Meetingzweck ist hoffentlich für jeden Teilnehmer bekannt und im Idealfall teilen alle Teilnehmer dasselbe Verständnis über diesen Zweck. Weiterlesen

Führung braucht Augenhöhe

03.09.2018
2014 habe ich an einem ganzem Satz Weiterbildungen zu Führungsthemen mitmachen können. Ein Aspekt dabei war das Schreiben von Fachartikeln. Im Rahmen meines damaligen Vortrags „(Fr)agile Werte“ (siehe JAX 2015) habe ich mich mit Mindset, Werten und den Hintergründen von Agile unter den Perspektive Organisation, Change und Führung beschäftigt. Dies und Aspekte aus Coachings sind damals in einen Artikel über Führung eingeflossen, den ich hier gern teile, da er viele Facetten enthält die meiner Meinung nach wie vor sehr sinnvoll sind. Weiterlesen

FOSS Backstage 2018

19.06.2018
Die erste große Ausgabe der FOSS Backstage! Fast 300 TeilnehmerInnen, zwei Tage Vorträge und das Alles direkt nach der Berlin Buzzwords 2018 - was für eine tolle Erfahrung. Als Mitglied des Organisationsteams war es eine ganz eigene und besondere Erfahrung für mich. Wir hatten über 100 Einreichungen und konnten mit dem Programmkommitee eine tolle Auswahl treffen. Vielen Dank an alle TeilnehmerInnen, die SpeakerInnen und das Orga-Team! Vorträge Hier ein paar Vorträge auf die ich immer wieder gern beziehe. Weiterlesen

Berlin Buzzwords 2018

17.06.2018
Die diesjährige Berlin Buzzwords war super. Direkt danach fand die erste große FOSS Backstage statt und somit war es eine intensive Konferenzwoche, welche ich erstmals aus einer anderen Perspektive mitnehmen durfte. Natürlich gab es dieses Jahr wieder viele super interessante Themen sowie das Berlin Buzzwords übliche Klassentreffen vieler bekannter Gesichter. Vorträge Meine Top 3 Vorträge dieses Jahr sind die folgenden. Leider konnte ich aufgrund der im Hintergrund laufenden Vorbereitungen zur FOSS Backstage nicht so vilee vorträge sehen wie sonst, allerdings waren es wie die letzten Jahre spannende Vorträge mit Mehrwert. Weiterlesen

Who is the one?

22.01.2018
Bei “Who is the one?” handelt es sich um einen Vortrag den ich 2017 auf der BEDCon, GOTO Nights Berlin, Hypoport Leadership Days und der Manage Agile gehalten habe. Rahmen des Vortrages war ein Einblick in die Arbeitsweise meines Arbeitgebers der Europace AG, welcher sich seit 2016 mit Selbstorganisation - im Speziellen Holacracy und Sociocracy - beschäftigt und zusammen mit den Mitarbeitern gestaltet. Abstract Who is the one? Seit über 8 Jahren arbeiten Teams bei Europace nach agilen Vorgehensmodellen wie etwa Scrum oder Kanban. Weiterlesen

Berlin Buzzwords 2017

17.06.2017
Die diesjährige Berlin Buzzwords war etwas Besonderes für mich. Zum Einen, weil die Konferenz wieder einmal sehr gut war und zum Anderen weil wir (Isabel und ich zusammen mit newthinking) unsere Idee einer weiteren Konferenz vorstellen konnten. Zwar habe ich dadurch ein paar Vorträge verpasst, konnte aber mit einem guten Gefühl und vielen interessanten Rückmeldungen aus der Konferenz gehen. Insgesamt gibt es neben einer Pressemitteilung auf der Berlin Buzzwords Seite ein kleines Youtube Video von Isabel und mir: Weiterlesen
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